
Ich möchte heute mal was Positives sagen über unser Land. Was ja eher ungewöhnlich ist. Viele sagen ja: Böh! Alles doof hier! Der Sprit ist teuer, kein Bier mehr da... Und dann glauben sie, dass das an denen in Berlin liegt. Eine lustige Idee, dass der Staat für das persönliche Glück zuständig sein könnte. Darauf kommen die Menschen woanders gar nicht, in China oder in Rumänien oder in Taka-Tuka-Land. Deswegen haben die Menschen woanders oft bessere Laune, obwohl sie nichts haben, weil sie gar nicht erwarten, dass jemand was vorbeibringt.
Wir sind da anders. Wir glauben, dass man alles durch Gesetze regeln muss. Um die Menschen zu schützen. Ist ja auch alles richtig: Dass man nicht einfach jemanden umbringen darf, weil er einem den Parkplatz geklaut hat - oder die Freundin. Das ist gut, dass man dem nicht einfach den Schädel spalten darf, auch wenn es einem in dem Moment möglicherweise auch vom moralischen Standpunkt aus... Oder Rauchverbot, gute Sache, oder bald die Helmpflicht für Radfahrer, denn beim Radfahren kann man hinfallen. Beim Gehen übrigens auch. Im Grunde auch beim Stehen. Wahrscheinlich wird uns der Helm bald schon ganztägig fest verankert, damit man auch nachts gefahrlos aus dem Bett fallen kann.
So eine Regulierungswut wie im Moment hat es bei uns ja noch
nie gegeben. Wir glauben an den Staat als Heilsbringer. Das ist gut gemeint. Der Staatsgläubige hat ja ein Wunschbild. Er stellt sich die Gesellschaft als ein fröhliches Miteinander vor, in dem alle Menschen gemeinsam füreinander einstehen, gleichberechtigt sind, sich über alle Probleme unterhalten und Lösungen entwickeln. Schön, das ist sehr idealistisch, die Gesellschaft als Selbsthilfegruppe. Alle Menschen werden Brüder, auch die Dumpfbacken, Charakterschweine und Klugscheißer. Und das ist gut, denn in einer Demokratie soll ja jeder mitentscheiden. Notfalls auch darüber, wie ich Fahrrad fahre oder sterbe.
Das geht ja immer mehr ins Private. Die Herrschaft des Staates wird ja immer totaler. Weil die Menschen immer mehr Angst haben, zu Recht, denn das Leben ist gefährlich. Freiheit ist da eher nebensächlich... Tempolimit kommt auch bald. Richtig so! Aber warum bei 130? Bei 70 wäre alles noch mal so sicher und umweltfreundlich. Und bei 30 erst. Oder dass man überhaupt erst fahren darf, wenn im Radio die Meldung kommt. „Achtung: Auf der A 40 zwischen Duisburg und Dortmund, keine Kinder auf der Fahrbahn. Sie können los!“
Muss man sich überhaupt fortbewegen? Jede Bewegung birgt ein im Grunde untragbares Verletzungsrisiko. Jeder Atemzug birgt die Gefahr, er könnte der letzte sein. Ein Sterbeverbot muss her. Denn Sterben ist bei uns eine der häufigsten Todesursachen. So viele Menschen haben ihren Tod nicht überlebt, das ist doch selbstverständlich, dass der Staat da gesetzgeberisch eingreift... Na los! Nichts wie ran!